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Gottesdienste - DIGITAL

RSSPrint

Predigt - Sonntag Okuli

7. März 2021

Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde

Epheser 5, 1-2+8-9
1 Ahmt Gott nach als seine geliebten Kinder 2 und führt euer Leben in Liebe, wie auch Christus uns geliebt und sich für uns hingegeben hat als Gabe und Opfer, das Gott gefällt!
8 Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn. Lebt als Kinder des Lichts! 9 Denn das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor.


Liebe Gemeinde,

Ahmt Gott nach als seine geliebten Kinder. Welch ein Anspruch. Wie könnten wir Gott nachahmen? Wie könnten wir uns anmaßen, dass es überhaupt einen Versuch wert wäre? Ihn, den Unvergleichlichen, den Fernen, den Unerreichbaren kann doch niemand nachahmen. Und wenn sich jemand aufschwingt, wie Gott sein zu wollen, dann bringt das meistens nichts Gutes hervor. Da fällt mir ein alter Witz ein: Gott schuf die Orgel. Das kann ich auch, sagte der Teufel und machte das Harmonium. Der Verfasser des Epheserbriefs hat hier aber nicht Gott als den Schöpfer der Welt vor Augen, sondern Jesus Christus. So fährt er fort: und führt euer Leben in Liebe, wie auch Christus uns geliebt und sich für uns hingegeben hat als Gabe und Opfer, das Gott gefällt! Er hätte also auch schreiben können: ahmt Jesus nach. Wie schwer das ist, das erzählt das Evangelium, das wir gehört haben: 57 Unterwegs sagte jemand zu Jesus: »Ich bin bereit, dir zu folgen, ganz gleich, wohin du gehst!« 58Jesus antwortete ihm: »Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel ihr Nest; aber der Menschensohn hat keinen Platz, wo er sich hinlegen und ausruhen kann.« (Lukas 9)

Bleiben wir noch einen Moment bei der Nachahmung. Wenn ich etwas lernen möchte, so hilft es, das nachzuahmen, was jemand anderes mir vormacht. So lernen wir laufen und sprechen, ein Handwerk oder kochen oder ein Musikinstrument zu spielen. Wenn wir die Grundbegriffe uns erworben haben, dann werden wir aber dazu übergehen, es nach unserer Art zu tun. Es wird unser Eigenes, wie die eigene Handschrift, die eigene Art zu sprechen, die eigene Art zu gehen oder eben etwas herzustellen. Die Nachahmung sollte immer nur der Beginn einer Fertigkeit sein. Ein Leben nur in Nachahmung kann nie unser ganz eigenes werden. Auch sollten wir andere nie nur zur Nachahmung nötigen. Sie kennen sicher Fälle, wo die Eltern den Kindern einen Beruf aufgezwungen haben. Es kann gut gehen, ist aber oft zum Scheitern verurteilt.

Der Briefschreiber ist der Auffassung, dass der Versuch, Jesus nachzuahmen, nämlich ein Leben in Liebe zu führen, zum Guten führt.
Das klingt ziemlich allgemein und wenig handhabbar. Ein Leben in Liebe. Das wird noch gesteigert: Jesus hat sich uns hingegeben als Gabe und Opfer. Er spielt damit, das ist uns gleich klar, auf den Tod Jesu am Kreuz an. Ist das aber nicht ein bisschen viel, was hier von uns verlangt wird?
In den folgenden Versen (die ich ausgelassen habe) führt er die Dinge auf, die das Gegenteil von liebevollem Handeln sind. Unter anderem gehört dazu die Habsucht, das Nicht-genug-haben-können und leere Reden, inhaltsloses, gegenstandsloses Geschwätz.
Wir müssen vor Augen haben: es geht in diesem Brief auch um eine bewusste Entscheidung zum Christentum: 8 Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn. Lebt als Kinder des Lichts! 9 Denn das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor.

Dazwischen muss die Taufe stehen. Das ist für uns schwer nachvollziehbar. Die wenigsten Menschen in unserer Kultur kommen erst als Erwachsene zur Kirche. Die meisten werden als Kinder getauft und wachsen durch Religionsunterricht, Konfirmation, Kindergruppen und ähnliches einfach so hinein.
Aber natürlich gibt es immer auch Menschen, die erst als Erwachsene über Gott und Glauben nachdenken, denen dann erst wichtig wird, eine Gruppe zu haben, in der sie ihren Glauben teilen können und sich darüber austauschen. Längst nicht immer landen sie dann in unserer Kirche. Der religiöse Markt in Europa ist groß. Das verbindet uns mit der Zeit, in der der Brief an die Gemeinde in Ephesus geschrieben und auch gelesen wurde. Gerade die Stadt Ephesus war ein Zentrum hellenistischer Religiosität.

Für den Briefschreiber und die christliche Gemeinde in Ephesus ist es nicht beliebig, was man glaubt und wie man glaubt. In der Nachahmung Christi gibt es zwei starke Begriffe: Licht und Liebe. Zwischen leerem Geschwätz und Liebe, zwischen Finsternis und Licht steht die Entscheidung des Einzelnen, sich der Liebe und dem Licht zuzuwenden.
Das klingt ein wenig nach Ratgeber-Deutsch. Denke positiv, sieh das Gute in deinem Leben, sei glücklich.
Dass das so einfach nicht geht, wissen die meisten von uns. Es gibt viele Gedichte mit dem Thema Licht. Zwei davon möchte ich heute zitieren. Das erste ist von Friederike Roth:

Groß geblieben ist meine Sehnsucht nach Leuchtendem. 

Man will sie mir aber nehmen.

Man erzählt mir von den Übeln der Welt, als wäre das ein Beweis.

Ich werde stumm.

Längst bin ich weggeflogen auf Leuchtendes zu. 

Aber im Zentrum des Leuchtenden

war natürlich die schwarze

die sternlose Nacht.

Und doch ist die Sehnsucht geblieben.


Oft bleibt uns nicht mehr als die Sehnsucht nach dem Guten, dem Leuchtenden. Auch wenn die Briefleser sich überfordert fühlen in der Aufforderung, Gott nachzuahmen, so wird ihm doch auch die Gewissheit mitgeteilt, dass er zu den Kindern des Lichtes gehört, dass er ein geliebtes Kind Gottes ist.
Nicht immer spüren wir das ganz deutlich. Das sind dann finstere Zeiten, die wir durchleben. Dann nehmen wir auch das Gute, das uns widerfährt, ganz selbstverständlich hin und denken: ich stehe im Dunkeln. Ich komme da nicht raus. Die Entscheidung: ich will zum Licht gehören, scheint unendlich weit weg. Die eigentliche Wende in unserem Leben kann unscheinbar sein, unverhofft und nicht selbst herbeigeführt. Es bleibt vieles im Vagen. Deshalb noch ein Gedicht, dessen Sprache es einfach besser ausdrückt, als jedes Erklären:

DAS LICHT

Es hat mich begleitet,

beinahe jeden Tag.

Es zeigte mir das Meer und die Tiere,

den Schnee auf den Bergen

und im Waldschatten den Farn.

Ich habe mich für das Licht,

nicht bedankt.

Es wies auf die Gegenstände

und lehrte mich sprechen.

Es lehrte mich lesen und schreiben

nach der Natur.

Ich habe mich für das Licht

nicht bedankt.

Einmal zog es sich zurück,

und ich konnte im Spiegel

meine Augen nicht finden.

Aber dann kehrte es wieder,

und ich habe mich

flüsternd bedankt.

Rainer Malkowski

Der den Brief an die Gemeinde in Ephesus geschrieben hat, schreibt viel von der eigenen Verantwortung, sich als Kind des Lichtes zu verstehen. Dass wir das nicht allein schaffen, müssen wir anerkennen. Was dann geschieht, wird durch ein schlichtes altes Wort ausgedrückt: Es ist Gnade.

Amen

Pfarrerin Viola Türk

 

Predigt als Download (PDF)

 

 

 

Letzte Änderung am: 07.03.2021